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Leben ist das, was passiert....

 

 

Dieses Foto ist bezeichnend für meinen momentanen Zustand: das Leben auf ein Minimum reduziert, eingesperrt, erstarrt, auf die erlösende Sonne (erste Lockerungen) wartend - so wie diese Wilde Möhre, die mit ein bißchen Phantasie in Herzform daherkommt. Ich habe sie auf einem Spaziergang durch die, in den letzten Jahren bei uns nicht vorhandene, verzauberte Winterlandschaft um uns herum entdeckt. An dieser Stelle steht seit Jahren ein Meer von wilden Möhren. Im Sommer wiegen sie sich im Wind, lassen den Betrachter teilhaben an ihren unterschiedlichen Wachstumsstadien. Max Husky und Rocky Zwergenkind hatten sich bei unseren Gassi-Wegen daran gewöhnt, dort etwas zu verweilen, da ich von dem Anblick dieses wogenden, weiß-grünen Meeres nicht genug bekommen konnte.

Ich liebe den Duft des ätherischen Öles der Daucus carota - erdig und warm. Das Öl tut meiner trockenen Lupushaut gut und es sorgt dafür, dass der freiheitsliebende, chaotische, kreative Teil meines Wassermannwesens nicht den Boden unter den Füßen verliert.

Als ich am 5. Dezember 2019 ein letztes Mal vom Parkplatz meiner Arbeitsstätte fuhr, hatte ich für das Jahr 2020 einen Haufen Pläne. Mein erstes Jahr in Rente sollte ausgefüllt sein mit Besuchen bei meinen Freundinnen in Frankreich und Österreich, vielen Seminarbesuchen und Urlaub an der geliebten Nordsee. Mit meinem Mann einfach mal losfahren und schauen , wohin uns der Weg führt. Eis essen oder Kaffee schlabbern mit Freunden und Familie, wann immer Zeit und Lust vorhanden - und dann kam mir ganz einfach das Leben dazwischen.

In dem Lied "Beautiful Boy (Darling Boy)" , welches John Lennon für seinen Sohn Sean geschrieben hat, gibt es die bekannte Liedzeile: "Life is what happens, while you're busy making other plans". Dieser Satz stammt übrigens nicht von John Lennon, sondern von Allen Saunders, einem amerikanischen Journalisten und Cartoonzeichner, der ihn schon 1957 in einem Readers Digest Heft veröffentlichte.

Leben ist das, was passiert, während man eifrig dabei ist, andere Pläne zu machen - die passende Überschrift für das Jahr 2020.

Absolut nichts war so, wie ich es geplant hatte, wie ich es mir gewünscht hätte. Das Jahr fing mit Problemen an, die keiner auf dem Schirm hatte, da war vom Virus noch nichts zu spüren. Trotzdem brachten sie Unbehagen und ängstliche Vorahnungen.

Dann kam das Virus und brachte das Leben vollends durcheinander. Im März nicht ins Allgäu zu einem Seminar, zu Ostern nicht an die See und und und.

Es gab auch positive Überraschungen in dieser Zeit, zum Beispiel hat die Deutsche Bahn mein nicht stornierbares Ticket ins Allgäu zu 100% erstattet. Hätte ich nicht gedacht, hätten sie auch nicht gemußt. Ich habe mich sehr gefreut - der Gutschein gilt bis 2023 und wird natürlich für eine Reise ins Allgäu genutzt.

Anfang April 2020 habe ich mir über Sir Arthur Reginald Stephen-Count of Virus II. Gedanken gemacht, nicht ahnend, dass Sir Arthur dieses Jahr Anfang April immer noch präsent sein wird.  Im Juli, als mir die anhaltende Sorge um meinen Göttergatten, zusätzlich zu der Virus-Pandemie, ein Seelenunwetter der allerfeinsten Sorte bescherte, war ich eher geneigt, in Sir Arthur eine längerfristige Bedrohung für (m)einen normalen Alltag zu sehen.

Die kurzfristigen Freiheiten des Sommers hatten ein trügerisches Gefühl der Sicherheit hinterlassen. Mit dem Herbst kamen wieder die täglichen "Horrormeldung" über das Virus und seine Folgen weltweit und speziell bei uns in Deutschland. Die nächsten Einschränkungen, der nächste Lockdown schwebten wie ein Damoklesschwert über uns. Ein kurzfristiges Aufatmen - mehr war der Sommer nicht.

Ich habe es gut, denn ich muss mir keine Gedanken über meinen Lebenunterhalt machen. Aber in meinem Freundeskreis gibt es einige liebe Menschen, die es nicht so gut haben.

Sie mussten ihr Leben umstellen, Alternativen suchen und hoffen, dass diese auch greifen. Das Virus macht nicht nur durch eine Infektion krank, es macht auch durch die Folgen der Regeln krank.

Sie gehen uns an die Nieren, fressen an den Nerven,  gehen unter die Haut, machen das Herz schwer, schießen ins Kreuz und lähmen den Kopf.

 Das Jahr 2020 ist mit einem Lockdown zu Ende gegangen, der immer noch nicht beendet ist. Was ist von 2020 geblieben? Ich habe das Gefühl, das Jahr irgendwie verloren zu haben, es ist vorbei geplätschert und ich weiß nicht, was von ihm geblieben ist. Von 2021 sind auch schon 51 Tage ins Land gezogen, doch so richtig bewußt ist mir das nicht.

Heute habe ich das erste Schneeglöckchen in meinem Garten entdeckt - ein Zeichen von Frühling, von Neubeginn.

In der letzten Woche hatten wir Schnee und -20 Grad, die Natur war eingefroren. Heute zeigt das Thermometer 15 Grad, ein blauer Himmel und eine strahlende Wintersonne machen das Gefühl vom Frühling perfekt. Auf unserem Spaziergang finden sich überall kleine Knospen und die Weiden zeigen zaghaft kleine Kätzchen.

Ein Tag, um zu hoffen, Positives zu sehen, Kraft zu tanken für ... ?

 

Positives sehen wäre ja mal ein Anfang, um dieser Pandemie-Routine-Tristesse Einhalt zu gebieten. Der Februar ist der Lichtmonat. Mit Imbolc, auch Oimealg oder Óiche Fheil Bhrighide genannt, wird vom 1. bis 2. Februar im irisch-keltischen Raum das "Fest der Wiederkehr des Lichts" gefeiert. Latha na brigid (Brigidtag) am 2. Februar kennen wir im christlichen Raum als Mariä Lichtmess.

Die "Wildmohnfrau" Renate Fuchs-Haberl hat es in dem Buch "Erdenfrau" wunderschön beschrieben:" Klares, strahlend-kaltes Licht bricht von einem Tag auf den anderen hervor, vertreibt die trübe, dunkle Winterzeit und lässt uns das Zukünftige ahnen. Die Wiederkehr des Frühlings ist mit der Wiederkehr des Sonnenlichts untrennbar verbunden."

Mit dem zunehmenden Licht erwacht die Lebenskraft, nicht nur die der Natur, sondern auch unsere. Ich beginne im Februar ein neues Lebensjahr, immer mit neuen Plänen und Vorhaben im Kopf (meine Mutter nannte es "Flausen im Kopf").  Dieses Jahr habe ich keine Pläne gemacht, keine Flausen im Kopf für 2021. Noch beim schreiben des Satzes, finde ich diesen Zustand erschreckend. Will ich mich wirklich weiter von einem Tag zum nächsten hangeln?

Während diese Frage in meinem Kopf umherschwirrt, eine Tasse Tee meine Hände wärmt, fällt mein Blick auf den AromaStream To Go und ein Fläschchen Urzitrone. Das diese beiden Gegenstände auf meinem Schreibtisch stehen, ist ein 20 Jahre altes Februar-Geschenk.

Mit dem 5. 2. 2001 hat sich mein Leben in eine neue, unbekannte, spannende und dufte Richtung bewegt. Der erste Tag meiner Ausbildung zur AromaExpertin und der Beginn einer spannenden Reise zu wundervollen Düften, Pflanzen, Menschen und Orten.

Unterwegs habe ich viele Menschen kennengelernt, manche sind geblieben, einige nenne ich Freunde.  Diese Freunde haben mir im letzten Jahr schnell, unkompliziert und liebevoll zur Seite gestanden - wie konnte ich das verdrängen. Die Mädels und Jungs meiner Duftheimat haben schier unmögliches vollbracht.

Die Düfte haben mich durch das Seelenunwetter geleitet und auch sonst das eine oder andere Mal gute Dienste geleistet.

Eliane und Sabrina haben im Laufe des letzten Jahres mit ihren WebSeminaren eine Alternative gefunden, ihr Wissen in Zeiten von Corona-Beschränkungen weiterzugeben. Ich habe dazugelernt und mich gefreut, die Beiden wenigstens ab und an auf dem Bildschirm zu haben. Die vergangenen WebSeminare gibt es als Aufzeichnung zu bestellen - sie lohnen sich alle. Unter den geplanten WebSeminaren sind richtige Aroma-Perlen.

Die Blogbeiträge zu neuem Wissen über ätherische Öle und Corona sind lesenswert und geben Einblicke in natürliche Möglichkeiten, um dem Virus die Stirn zu bieten.

Sabine Möbius bietet Onlinekurse zum Thema Tieraromatherapie an und auch Primavera hat WebSeminare und Onlinekurse im Angebot.

Ich denke, es wird noch eine Weile dauern bis es wieder Präsenzschulungen unter strengen Regeln geben wird, da sind die Onlinekurse eine gute Alternative - nicht nur für die Wissbegierigen, sondern auch für die Anbieter.

 

Beim Lesen meines bisherigen Geschreibsels wird mir bewusst, wie glücklich ich sein kann, wieviel Positives das vergangene Jahr und auch die ersten 51 Tage des neuen Jahres parat hatten. Meinem Göttergatten geht es besser, Freunde und Familie sind gesund (im Großen und Ganzen)  geblieben. Über Telefon, Handy, Briefe, Karten und Päckchen wurden Kontakte gepflegt.

Alles in Allem war 2020 gar kein so schlechtes Jahr für mich - es war nicht so wie geplant, war chaotisch, anstrengend und manchmal ungewiß. 2020 war völlig anders als jedes vorangegangene Jahr meines Lebens. Aber es war auch ein Jahr, in welchem ich gelernt habe, Freunde und Familie zu schätzen und dankbar zu sein, für das, was ich habe.

Ich werde keine Pläne für 2021 machen - ich warte auf das, was das Leben für mich plant.

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Kommentare: 1
  • #1

    Ursula Damith (Donnerstag, 25 Februar 2021 13:47)

    Liebe Gabi, Dein Bloggbeitrag hat mich wieder tief berührt und für mich bist Du eine Quelle aus der man schöpfen kann, ein kleines Licht, das den Raum erhellt und eine begnadete Wordakrobatin.
    Hab Dank für das Stückchen Zuversicht in schweren Zeiten und den Blick für`s Wesentliche....weiter so