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Leben ist das, was passiert.....

 

 

Wer hätte am Nikolaustag 2019 gedacht, dass ein nanokleines, stacheliges Viruswesen im Jahr 2020 das Leben auf der ganzen Welt durcheinanderbringen würde. Ich mit Sicherheit nicht, denn dieser Tag war der Beginn meines "Lazy-Day"-Lebens, voller Ideen, Wünsche und Träume, die mein Rentner- leben (er)füllen sollten.

 

 

Nach 45 Jahren in der Pflege erschien mir mein Ruhestand als Sehnsuchtszeit, obwohl ich nicht einen Tag meines Arbeitslebens missen möchte (ok, auf 3 oder 4 hätte ich wirklich verzichten können).

Meine Pläne waren gar nicht so außergewöhnlich-  im März ins Allgäu, nach Dublin fliegen, endlich mein Französisch auffrischen, meine Freundinnen im europäischen Ausland besuchen und mit meinem Göttergatten Deutschland unsicher machen.

Stattdessen war mein erstes Jahr im Ruhestand alles andere als ruhig. Es war ein Jahr, in welchem Virologen Medienstars wurden und Talkrunden im Fernsehen ohne (manchen selbsternannten) Experten zum Thema Corona nicht auskamen. Worte wie Lockdown, Hotspot, Ausgangssperre, Grenzschließung, Einreiseverbot, 7-Tage-Inzidenz, Kontaktbeschränkung, Maskenpflicht, R-Wert, A-H-A und noch einige mehr bestimmen die Medienlandschaft und unseren Alltag - mal mehr, mal weniger reißerisch.

Corona ist seit Anfang des Jahres weltweit allgegenwärtig, andere Probleme scheinen nicht mehr existent. Gibt es ein anderes, bewegendes Ereignis ist dies nach sehr kurzer Zeit aus den Medien verschwunden und damit auch aus den meisten Köpfen.

Existenzängste, Unsicherheit und Kontaktbeschränkungen sind viel präsenter in den Köpfen, da sie unser Leben bestimmen. Das Denken dreht sich um (Not-)Lösungen bei Schul- und KiTa-Schließungen, Kurzarbeit oder drohender Insolvenz. Homeoffice, Lieferservice, Abholstationen sind nur einige Neuerungen in unserem Alltag.

Doch 2020 ist nicht nur Corona. 2020 ist auch ein erneuntes "I cant't breathe", dieses Mal in Minneapolis von George Perry Floyd Jr. an den Polizisten gefleht, der auf seinem Hals kniete.

Es ist das Jahr des Anschlags von Hanau, der Amokfahrten von Volkmarsen, Wien und Trier. Es ist das Jahr, in dem wegen eines Streites bei einem Amoklauf im kanadischen Novia Scotia 22 Menschen erschossen wurden.

Es ist das Jahr der wohl schlimmsten Waldbrände in Kalifornien, verheerender Waldbrände in Australien und des Großbrandes im Affenhaus des Krefelder Zoos.

Es ist das Jahr in dem das Flüchtlingslager Moria auf Lesbos brennt und den 7500 Flüchtlingen katastrophale Zustände beschert.

2020 ist das Jahr von "Black Lives Matter" Bekundungen auf der ganzen Welt und der folgenden, unangemessenen Reaktion eines Staatsoberhauptes, die zu Rassenunruhen, Massenprotesten und Plünderungen führt.

Es ist das Jahr von Querdenkern, Maskenverweigerern und ihren Demonstrationen, eher nicht friedlich, ohne Einhaltung von Hygieneregeln und mit Ausschreitungen.

2020 ist das Jahr der Explosion von über 2700 Tonnen Ammoniumnitrat im Beiruter Hafen, der fast 200 Menschen das Leben kostet und mehr als 6500 verletzt, über 300.000 Menschen das Zuhause nimmt, große Teile des Hafens zerstört und Demonstrationen des gebeutelten Volkes auslöst.

Es ist das Jahr der massiven Proteste in Weißrussland gegen den Präsidenten,  der Vergiftung eines russischen Oppositionellen und der Beginn des Krieges um Bergkarabach.

2020 ist das Jahr in dem Boko Haram wieder Schüler in Nigeria entführt haben - dieses Mal sind es mindestens 333 Jungen (Dunkelziffer über 600).

Es ist das Jahr einer denkwürdigen Präsidentsschaftswahl mit einem, seinem Amt unwürdigen, Verlierer.

All diese Ereignisse sind mir im Gedächtnis geblieben, nicht immer präsent, aber Corona konnte sie nicht überschreiben.

2020 ist ein Jahr, dass die Welt verändert hat und an das wir zurückdenken werden als einen Wendepunkt.

 

 

 

 

Heute ist die 8. der 12 Raunächte - die Nacht des Übergangs. Es ist die Nacht, um nach vorne zu schauen,  einen Neubeginn zu starten.

In dieser Nacht ist Zeit, um all diese (weniger schönen) Erinnerungen loszulassen und in Dankbarkeit auf das Positive des beinahe vergangenen Jahres zurückzublicken. Diese Nacht ist den Sehnsüchten, Wünschen und Visionen für das neue Jahr gewidmet. 

Meine Familie und meine Freunde haben mich dieses Jahr so verlässlich wie immer begleitet. Ich bin dankbar, sie alle an meiner Seite zu wissen.

Wenn ich an die vielfältigen Probleme einiger Freundinnen denke, die durch die Lockdowns enstanden sind, bin ich dankbar, dass ich eine Ruheständlerin bin und keine Sorge um Finanzen und Existenz haben muss.

Ich bin dankbar, dass ich in einem Landkreis wohne, in dem die 7-Tage-Inzidenz nur für ein paar Tage die 100 überschritten hat und sonst immer unter 50 blieb.

Natürlich bin ich ausgesprochen dankbar, dass ich trotz Autoimmunerkrankung und Immunsuppressiva vom Virus verschont geblieben bin (Hygiene kann ich halt seit 45 Jahren aus dem Effeff).

Ich bin dankbar für meinen Garten und die vielfältige Natur um mich herum, wo das Kraft tanken einfach ist. Meine Nase hat mich bei Seelenunwettern geleitet und mir den Weg aus dem Unwetter gezeigt.

Es hat viele wunderschöne Momente in diesem Jahr gegeben, für die ich dankbar bin, die mich lächeln lassen, die in meinem Herzen bleiben und meiner Familie und meinen Freunden vorbehalten sind. 

Für das neue Jahr wünsche ich mir vorallem Gesundheit für Familie und Freunde. Ich wünsche mir für einige Freundinnen finanzielle Polster durch Planungssicherheit.

Ich wünsche mir für meine Freunde Kraft und Durchhaltevermögen, damit ihre Visionen wahr werden können.

Ich wünsche mir, dass von diesem Jahr nicht nur Insolvenzen, Depressionen und Ängste übrig bleiben, sondern ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl und Miteinander.

Und ich wünsche mir, endlich in lachende Gesichter schauen zu können und wieder nach Herzenslust knuddeln zu können.

In diesem Jahr ist mir mehr als einmal ein Zitat begegnet, dessen Ursprung/Urheber ich leider nicht kenne. Ich finde, es beschreibt dieses Jahr sehr treffend und ist passend zum Ende dieses markanten Jahres.

"Veränderungen sind am Anfang hart,

in der Mitte chaotisch

und

am Ende wunderbar."

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