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Frühling ist Löwenzahn-Zeit

5 Wochen Kontaktverbot und Mutter Natur bietet alle Kräfte auf, um uns Mut zu spenden, die Sonne steht am strahlend blauen Himmel, überall sanftes Grün und  zarte Blüten. Susanne Fischer - Rizzi beschreibt in ihrem Buch "Medizin der Erde" die Löwenzahnteppiche: "als wäre die Sonne selber auf die Erde gefallen" und so sieht es vielerorts aus.

Der Löwenzahn ist eindeutig eine Frühlingspflanze - sie zeigt den Frühling an, lässt vom nahenden Sommer träumen und ist nicht nur ein wärmender Anblick, sondern auch eine wohltuende Heilpflanze. Er zeigt uns, wie aus etwas sehr filigranem, zartem wie den Samenschirmchen, etwas starkes, stabiles wie die Pflanze werden kann. So wie das zarte Pflänzchen des Gemeinschaftssinnes in der momentanen Situation eine neue Definition bekommt und vielleicht etwas Großes, Starkes daraus erwächst.

Eine alte Geschichte erzählt vom ersten Auftreten des Löwenzahns auf der Erde: Zu der Zeit als die Erde noch von Feen, Gnomen und Elfen bevölkert war, gab es mit den ersten Menschen Probleme. Sie konnten die kleinen Urwesen nicht sehen. Während sich Elfen und Gnome hinter Felsen oder unter der Erde verstecken konnten, war dies einigen sonnenliebenden Feen mit ihren gelben Mänteln nicht möglich. Diese Feen wurden in Löwenzahn verwandelt. Tritt man auf eine Löwenzahnpflanze, so richtet diese sich schnell wieder auf - der Geist der Feen soll dies bewirken, denn sie haben dem Löwenzahn eine große Überlebenskraft mitgegeben.

Ein zauberhaftes kleines Märchen über eine Blume, die uns als Kindern Spaß gebracht hat, wenn wir die vielen kleinen Samen auf den Weg in unsere Traumländer schickten oder aus den Stängeln Trompeten und Pfeifen gebastelt haben. Eine Blume, der wir als Jugendliche beim Pusten heimliche Wünsche und Gebete mitgaben. Eine Blume, die jeden Gärtner mit einem Hang zu einem perfekten Rasen in den Wahnsinn treibt, weil sie für ihn Unkraut ist.

Eine Blume deren Blätter sich bei jeder einzelnen Pflanze unterschiedlich zahnen. Sie reagiert mit der Form ihrer Blätter auf Standort, Bodenbeschaffenheit, Klima und Lichtverhältnisse. So habe ich schon Löwenzahn in Ufernähe unseres Flüsschens entdeckt, dessen Blätter gar nicht gezackt waren.

Man findet ihn auch im Gebirge bis zu einer Höhe von etwa 2500 m, dann kleiner als im Flachland und mit deutlich ausgeprägter Zahnung der Blätter.

Löwenzahn ist ein Wildkraut und kein Unkraut und seit vielen Jahrhunderten auch eine Heilpflanze.

Im Norden ist der Löwenzahn auch als Butterblume bekannt. Man nennt ihn auch Kuhblume, Lichtli, Hundsblume, Röhrlichrut oder Bettsaicher. Ursprünglich heimisch ist er im westlichen Asien und Europa, hat sich aber über die Nordhalbkugel der Erde ausgebreitet. Auf der Südhalbkugel findet man den Löwenzahn eher selten, er liebt Temperaturen bis 26 Grad C. Macht man sich die Mühe und beobachtet den Löwenzahn in seinem Tages- und Lebensrhythmus, so entdeckt man manche Besonderheit.

In der Blumensprache bedeutet Löwenzahn "bäuerliches Orakel". Der Löwenzahn wurde früher auf dem Land als Uhr genommen, da die Blüten sich morgens um fünf Minuten nach fünf öffnen und abends um neun Minuten nach acht schließen sollen. Er lässt seine goldgelben Blüten bei Regen oder schlechtem Wetter geschlossen, sind sie jedoch offen, dann schwingen sie im Tagesrhythmus. Er achtet auch bei der Wuchshöhe seiner Stängel auf seine Nachbarspflanzen.

 

Löwenzahn - Taraxacum officinale ( Korbblütler - Asteraceae)

Inhaltsstoffe:

  • Bitterstoffe
  • Flavonoide
  • Schleimstoffe
  • Cholin
  • Inulin ( im Frühjahr etwa 2%, im Herbst 40% in der Wurzel)
  • Zucker (im Frühjahr etwa 18%)
  • Vitamine
  • Mineralstoffe
  • Gerbstoffe
  • Ascorbinsäure
  • Brom
  • Carotin
  • Eisen
  • Kalium
  • Kieselsäure
  • Mangan

Verwendete Pflanzenteile:

  • Blüten/Knospen
  • Blätter
  • Wurzel

Sammelzeit:

  • Blätter und Blüten: im Frühjahr
  • Wurzel: Frühjahr oder August bis Oktober

WICHTIG: Nicht in der Nähe von vielbefahrenen Strassen, gedüngten/gespritzten Feldern oder gespritzten Wiesen sammeln

Im Herbst Verwechslungsmöglichkeit mit dem Herbstlöwenzahn, dessen Stängel im Gegensatz zum gewöhnlichen Löwenzahn nicht hohl ist.


Wirkung:

  • regt den Stoffwechsel an
  • regt den Gallenfluss an
  • regt die Nierentätigkeit an
  • regt die Verdauungssäfte an
  • regt den Appetit an
  • entstaut die Leber
  • fördert und entstaut den Lympgfluss
  • fördert das Immunsystem
  • hilft bei Fell - und Hautproblemen
  • entgiftend
  • entwässernd
  • entzündungshemmend

TCVM (traditionelle chinesische Veterinärmedizin):

  • der Frühling wird dem Element Holz zugeordnet
  • zum Holzelement gehören Leber und Gallenblase
  • aber auch Muskeln, Sehnen, Nerven, Geschlechtsorgane
  • Geschmack: bitter, süß
  • Temperatur: kühl, trocknend

Die Leber hat aus Sicht der TCVM folgende Aufgaben:

  • lässt Chi/Qi und Blut frei fließen
  • Blutspeicherung
  • Versorgung des Körpers mit Blut und Chi/Qi
  • nährt und befeuchtet Muskeln, Sehnen, Krallen, Ballen, Augen
  • unterstützt den Verdauungstrakt durch den Gallensaft
  • für die Entgiftung zuständig
  • sie ist der Sitz der Emotionen (Depression, Melancholie, Zorn)

Wirkung des Löwenzahns aus Sicht der TCVM:

  • beseitigt Toxine, Nässe, Feuchtigkeit und Hitze
  • reguliert und bewegt Blut und Chi/Qi
  • löst Schleim und Hitze auf
  • tonisiert das Chi/Qi

Nicht verwenden bei:

  • Verschluß der Gallenwege
  • Entzündung der Gallenwege
  • Gallensteinen
  • Lebererkrankungen
  • Magen - oder Darmgeschwüren

Mögliche Nebenwirkungen:

  • allergische Reaktion
  • Durchfall
  • Magenbeschwerden

Anwendungsmöglichkeiten:

Fr. Dr. Nadig nennt den Löwenzahn einen "wahren Energieriegel von der Wiese, der den gesamten Stoffwechsel ankurbelt". Was liegt näher als eine Frühjahrskur mit Löwenzahn für die Fellnase.

  • frisch gesammelte Blätter und Blüten klein zerhacken und ins Futter geben
  • frisch gesammeltes Pflanzenmaterial kann auch sehr kleingehackt in Eiswürfelbehältern eingefroren werden, z.B. in Fleischbrühe
  • etwa 25g getrocknete Blätter/Wurzel in 250 ml heißem Wasser 10 Minuten ziehen lassen, abseihen und abkühlen lassen. Man gibt 50 ml je 10 kg Körpergewicht des Hundes 2 x tgl. ins Futter
  • bei getrocknetem, pulverisiertem Pflanzenmaterial gibt man 1 g je 10 kg Körpergwicht 2 x tgl. ins Futter
  • Frischpflanzenpresssaft (aus dem Bioladen oder Reformhaus) bis 15 kg Körpergewicht 1/2 -2 TL ins Futter, bei größeren Hunden 1/2 - 2 EL. Man fängt mit der niedrigeren Dosis an und steigert dann langsam, da die Frischpflanzensäfte hochkonzentriert sind.
  • Dauer der Anwendung: zwischen 2 und 4 Wochen
  • eine weitere Möglichkeit wäre eine Kombination von Löwenzahn und Brennessel als Frischpflanzensaftkur - jeweils 2 Wochen pro Pflanze

 

Falls die Fellnasen die frischen, gehackten Pflanzenteile nicht mögen:

  • das Pflanzenmaterial mit Obst oder/und Gemüse pürieren
  • im Wasserbad langsam geschmolzenes Kokosöl dazugeben und wieder fest werden lassen
  • kleine Kugeln formen und in geriebenem Käse wälzen
  • im Kühlschrank nicht länger als 3 Tage aufbewahren
  • als Leckerli oder ins Futter geben
  • geht mit allen frischen Heilpflanzen/Heilkräutern

Eine Frühjahrskur mit Löwenzahn lohnt sich für die Fellnasen, denn sie haben ein kräftigeres Immunsystem, neigen weniger zu Wurm - und Zeckenbefall, auch Haut und Haarkleid profitieren davon. 


Quellen:

  • Schulungsunterlagen TCVM
  • Heilpflanzen für Hunde - Dr. med. vet. Alexandra Nadig (Kosmos Verlag, ISBN 978-3-440-15606-3)
  • Medizin der Erde- Susanne Fischer-Rizzi (AT-Verlag, ISBN 978-3-03800-523-0, 7. Auflage)
  • Das große Buch der heilenden Pflanzen - Anne McIntyre (Irisiana Verlag, ISBN 3-89631-196-4)

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